Auftragsvergabe ARD und ZDF an Tochterfirmen

Immer wieder: Kritik an der Auftragsvergabe von ARD und ZDF
Immer wieder ist davon die Rede, dass die Sender ARD und ZDF vor allem ihre Töchter bei der Auftragsvergabe bevorzugen würden. „Statt Aufträge fair und transparent auszuschreiben, würden ARD und ZDF immer wieder ihre eigenen Tochterfirmen bevorzugen. Eine Behauptung, gegen die sich die öffentlich-rechtlichen Sender jetzt wehren“, berichtet das Medienmagazin ZAPP .
Gerade haben vier unabhängige Produzentenverbände in Deutschland, (die AG Dokumentarfilm, der film & fernsehproduzentenverband nrw e.v., der Verband Deutscher Filmproduzenten e.V. und der VFFVmedia/Verband der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft e.V.) den Entwurf eines Verhaltenskodex für die Vergabe von Auftragsproduktionen durch ARD und ZDF vorgelegt.
Sie fordern :

  1. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollen jährlich einen Vergabebericht vorlegen, der auflistet, welche Aufträge an welche Firmen vergeben wurden und wie hoch die dafür aufgewendeten Mittel waren. Solche und ähnliche Transparenzanforderungen sind im skandinavischen Raum, aber auch in Frankreich schon lange selbstverständlich.
  2. Die öffentlich-rechtlichen Sender sollen die Auftragsvergabe an direkt oder indirekt verbundene Unternehmen perspektivisch auf ein Maximum von 10 % der von ihnen in den einzelnen Programmgenres in Auftrag gegebenen Produktionen begrenzen.
  3. Die mit den Sendern direkt oder indirekt verbundenen Unternehmen müssen, entsprechend der Praxis der europäischen Filmförderung, auf zusätzliche Fördergelder aus regionaler und Bundesfilmförderung verzichten.
  4. Die KEF soll stärker als bisher über die tatsächliche Verwendung der von den Sendern beantragten finanziellen Mittel für Auftragsproduktionen wachen und die Öffentlichkeit in regelmäßigen Abständen über die Ergebnisse dieser Arbeit informieren. Außerdem sollte die KEF vor der Festsetzung des finanziellen Bedarfs der Anstalten auch die Produzentenverbände zur jeweiligen Entwicklung der Herstellungskosten der in Auftrag zu gebenden Programme anhören.
  5. Um die Vielfalt und Kreativität der deutschen Produktionslandschaft auszubauen und zu befördern, bedarf es zu allererst größerer Transparenz. ARD und ZDF finanzieren sich aus Gebührengeldern. Deshalb sollten sie die Verwendung dieser Mittel auch öffentlich, transparent und nachvollziehbar dokumentiert werden.

Alle zwei Jahre legt Horst Röper mit seinem FORMATT-Institut eine entsprechende Studie zur Produzentenandschaft vor. In die Untersuchung gehen „sämtlichen Fernsehproduktionen mit einer Mindestlänge von 15 Minuten ein, die für deutsche Fernsehprogramme von Betrieben mit Firmensitz in Deutschland hergestellt und als eigenständige Sendungen ausgestrahlt werden. Ausgeschlossen sind Nachrichtensendungen sowie sonstige tagesaktuelle Sendungen. Gesondert erfasst wird die Produktion von Kinofilmen“, wie es in seiner Zusammenfassung für Media Perspektiven (09/2012) heißt.
Seine Ergebnisse für die Jahre 2009 und 2010 sprechen eine deutliche Sprache: „Die Anzahl der abhängigen Betriebe ist relativ klein. Sie hatten stets einen Anteil an der gesamten Branche zwischen 10 und 15 Prozent. 2009 waren es 13 Prozent, 2010 rund 11 Prozent. Ihr Anteil am jährlichen Produktionsvolumen der Gesamtbranche ist allerdings wesentlich größer. In früheren Jahren lag er manchmal bei der Hälfte des Gesamtvolumens, ist allerdings in den letzten zehn Jahren tendenziell rückläufig gewesen. In den beiden aktuellen Untersuchungsjahren ist dieser Anteil 2009 zunächst auf rund 40 Prozent gestiegen, im Jahr 2010 dann aber wieder auf knapp 37 Prozent gesunken. … Die senderabhängigen Betriebe erreichten in allen Jahren der Langzeituntersuchung ein Mehrfaches der Jahresproduktion der unabhängigen Betriebe. 2009 und 2010 haben die abhängigen Betriebe jeweils rund das viereinhalbfache Volumen der unabhängigen Firmen produziert.“
(Übrigens: Die DREFA, an der der MDR beteiligt ist, lag im Jahre 2010 gerade einmal auf dem Niveau des Jahres 2000. Hatte man in jenem Jahr noch etwas über 7.000 Minuten, sanken diese bis 2002 auf 4.200 Minuten. Von 2008 zu 2010 gab es dann einen Sprung von 5.700 auf 7.100 Minuten. Doch dies heißt nicht, dass unabhängige Produzenten davon profitiert hätten. Schließlich stieg allein der Anteil der Bavaria Film von ca. 14.000 produzierten Minuten in 2000 auf 22.900 Minuten in 2002, dem Jahr als die Bavaria Film in 10 DREFA-Unternehmen einstieg.)
Heiko Hilker
28. Oktober 2012
Mit freundlicher Genehmigung des Autors;
zuerst veröffentlicht auf der Website http://www.dimbb.de/medien-blog/35-medien-blog/