"Green Production"

Positionspapier des Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V.  zur Umweltverträglichkeit der Filmproduktion

Mit der 2012 erfolgten Einführung des Grünen Drehpass in der Umwelthauptstadt Hamburg 2011 wurde eine bis heute fortwirkende Entwicklung in Gang gesetzt, welcher den ökologischen
Fingerabdruck der physischen Filmproduktion am Produktionsstandort Deutschland verringern soll.

Damit wurde bei uns ein Leuchtturm-Signal mit einer großen Reichweite errichtet, inspiriert von Arnold Schwarzenegger und der von ihm veranlassten Transformation der amerikanischen
Filmindustrie von einem der größten Umweltverschmutzer Kaliforniens hin zu mehr Nachhaltigkeit.

Die letzten 8 Jahre wurden genutzt, um ein entsprechendes Problembewusstsein zu schaffen, in allen Fachabteilungen Versuche und Experimente zu erproben, sowie das greifbare Verbesserungspotential zu benennen und Richtlinien und Best Practice Guidelines mit Modelcharakter zu entwickeln, um so Nachhaltigkeit als projektbegleitenden Arbeitsprozess handhabbar zu machen.
Und nicht zuletzt um einen sachdienlichen Wissenspool zugänglich zu machen.

Auch wenn man diese Phase nicht als gänzlich abgeschlossen betrachten darf, sprechen doch einige Dinge dafür, nun eine neue Stufe der Entwicklung von Nachhaltigkeit einzuleiten.

- Die Signalkraft der seit 2012 vergebenen 170 freiwilligen Grünen Drehpässen reicht nicht, um
die Bemühungen der Branche um Problem- und Lösungsansätze zu erfassen und einzubeziehen.

- Der Impact der Modell-Entwicklungsphase reicht nicht aus, um zu einem durchgreifenden Branchenstandard zu führen, oder gar um flankierende Investitionen im Dienstleistungssektor der Branche oder im weiteren Branchenumfeld in einem Maße auszulösen und abzusichern, welches nötig wäre, um die entstehende Nachfrage in absehbarer Zeit bedienen zu können.

- Die jüngste Tendenz zur stärkeren internationalen Vernetzung von Branchen-Organisationen brachte die Erkenntnis, dass im Vergleich zu bedeutenden ausländischen Produktions-Standorten die Nachhaltigkeits-Entwicklung in Deutschland zu stagnieren droht.

- Die bisherigen politischen Signale zum Imperativ nachhaltiger Strukturen für das Erreichen der deutschen und europäischen Klimaziele reichen den Beteiligten unserer Branche in Fragen der
Investitions-, Wettbewerbs-, und Rechtssicherheit nicht aus.

Der Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V. begrüßt ausdrücklich die jüngsten Ankündigungen der regionalen Filmförderungsanstalten aus Hamburg/Schleswig-Holstein und
Baden-Württemberg zur Implementierung von konkreten Nachhaltigkeits-Instrumenten als Bedingung für die Förderfähigkeit von Filmvorhaben als ein deutliches Signal zur Einleitung einer
neuen Phase der Rechtssicherheit und -verbindlichkeit bei der Umsetzung von Maßnahmen zur ökologischen Nachhaltigkeit.

Ebenso sind die Selbstverpflichtungserklärungen der Produzentenverbände und der Sendeanstalten aus unserer Sicht als Verband der projektverantwortlichen und organisatorischen Produktionsberufe zu begrüßen.

Damit diese „neue Verbindlichkeit“ positiv in die Produktionsentwicklung implementiert werden kann, und somit im Produktionsalltag eine Rechtsverbindlichkeit entwickeln kann, bedarf es in der Fördereinreichung sowie in Fördereinreichkalkulationen (ebenso wie in Sender-
Einreichkalkulationen) im ersten Schritt eine verbindliche Selbstverpflichtung zu einem nachhaltigen Produktionsprozess. Die Wirkkraft konkreter Nachhaltigkeitsinstrumente für die Produktion – z.B. die Berechnung eines CO2-Fußabdrucks - beginnt jedoch erst in der Phase der physischen Produktions und Drehvorbereitungen, also nach erfolgten Förder- bzw. Finanzierungszusagen, in direktem
Zusammenhang mit verbindlichen Kostenschätzungen und Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Dies ist jene Rahmensetzung, welche bei der Endabrechnung in einen Soll/Ist-Vergleich münden sollte.

Der Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V. bekennt sich zu den Zielen, die aus dem Pariser Klimaabkommen durch Europäische Union und Deutsche Bundesregierung entwickelt
werden, und erklärt sich bereit, die eingeleiteten Maßnahmen der Branchenbeteiligten am Filmproduktionsstandort Deutschland im Rahmen von allfälligen Konsultationen oder Foren aktiv zu
begleiten und in der Umsetzung zu unterstützen.

Berlin, 22. Februar 2020

Der Vorstand
Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V.