Nachfrage

Die jährliche Umfrage nach dem fairsten Film des Jahres hatte letztes Jahr eine Rangfolge erbracht, die von der Schulnote „1“ bis zur „5“ reichte.

Die Hauptversammlung des BvP hatte den Vorstand beauftragt, mal bei denen nachzufragen, die am schlechtesten beurteilt worden waren. Ich habe fünf Produktionen angeschrieben. Niemand hat grundsätzlich abwehrend auf unsere Anfrage reagiert. Die meisten waren irgendwie froh, dass sie noch einmal erklären konnten, wie es zu dem jeweiligen Desaster gekommen war. Drei eingehendere Interviews habe ich führen können.

Die Ergebnisse waren verschieden. Eigentlich war nichts dabei, was einem als Produktionsleiter nicht auch selbst passieren könnte:

Eine Zwischenfinanzierung platzte, alte Schulden mussten bezahlt werden, das Team hat sein Geld nicht bekommen. Durch die wachsenden Anwaltskosten wird die Lage noch desolater. Der Produzent steht so unter Stress, dass er kommunikativ nichts auf die Reihe kriegt. Der PL tut was er kann, aber mangels Information ist auch seine Rolle nicht beneidenswert...

Oder: Feindschaft zwischen Regie und Produktion. Regie stellt im Verein mit dem Hauptdarsteller ständig neue, möglichst unerfüllbare Ansprüche. Alle Gagen werden brav gezahlt, der Produzent macht minus - was ihm bleibt, ist die schlechte Note und damit ein angekratzter Ruf ...

Fazit: Das meiste hätte sich mit rechtzeitiger, besserer Kommunikation mit dem Team zumindest mildern lassen können. Kaltschnäuzige Arroganz war selten im Spiel, Hilflosigkeit schon eher. Gegenseitiges Verstehen ist gerade in unserer Branche wichtig (wo aber auch nicht?). Doch welche Hochschule bringt den Producer-, Regie- und Kamera-Aspiranten etwas über Produktionszwänge bei? (Bei der HFF München kennen nicht einmal alle Diplomanden den Unterschied zwischen Aufnahme- und Produktionsleitern.) Wo lernt der Quereinsteiger-PL was über die Ängste und Hoffnungen der Kreativen? Wie redet man mit denen? Wie versteht man die?

(Keine Frage: Eine bessere Ausbildung wäre generell gut für die Branche. Eine Ausbildung, in der zum Beispiel ein Praktikum zum Curriculum gehört und nicht als Alibi zum Lohndumping herhalten muss.)

Wir werden diese Nachfragen weiterhin durchführen. Zusammen mit Crew United versuchen wir übrigens, langfristig die Umfrageergebnisse transparenter und jeweils schon relativ kurz nach dem Dreh zu bekommen.

10.06.’14
Reinhold Dienes